Mit der Zulassungsempfehlung des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur für das Medikament Acoziborole ist ein Durchbruch bei der Bekämpfung der Gambiense-Schlafkrankheit gelungen.
Der Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für Globale Gesundheit und Sprecher des Parlamentarischen Beirats gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten Sascha van Beek ist zuversichtlich, dass dies der entscheidende Schritt zur vollständigen Eliminierung der Schlafkrankheit bis 2030 ist.
Die bisherigen Therapien erfordern entweder eine zehntägige orale Medikamenteneinnahme oder - bei fortgeschrittenen Stadien - eine Kombination aus Injektion und oraler Therapie. Noch vor 20 Jahren war die einzige Behandlungsmethode eine arsenbasierte Injektion, die fünf Prozent der Patientinnen und Patienten nicht überlebten.
Mit Acoziborole gibt es nun ein neues Medikament, das selbst fortgeschrittene Stadien mit nur einer einmaligen oralen Einnahme von drei Tabletten effektiv heilen kann. Das ist eine Revolution in der Bekämpfung der Krankheit. Die schnelle Einmalbehandlung vor Ort ersetzt lange Klinikaufenthalte, ein entscheidender Faktor in armen und infrastrukturell schwachen Regionen. Eine nicht krankenhausbasierte Behandlung ermöglicht es den Betroffenen, von denen viele von der Landwirtschaft leben, auch weiterhin ihre Lebensgrundlage zu sichern.
Acoziborole wurde gemeinsam von der Produktentwicklungspartnerschaft DNDi und Sanofi entwickelt. Die "Drugs for Neglected Diseases initiative" wurde 2003 gegründet und ist eine not-for-profit Organisation. Sie entwickelt neue Behandlungen für vernachlässigte Krankheiten und fördert Forschung und Entwicklung durch Partnerschaften zwischen öffentlichem Sektor, Privatwirtschaft und Wissenschaft. Dies ist ein weiterer medizinischer Durchbruch bei der Bekämpfung der Schlafkrankheit durch eine Produktentwicklungspartnerschaft. Bereits die erste rein orale Behandlung mit dem Medikament Fexinidazol, das über 10 Tage einzunehmen ist, konnte durch die erfolgreiche Partnerschaft von DNDi, Sanofi und afrikanischen Partnern entwickelt werden.
"Gemeinnützige Forschung kann ein echter Gamechanger bei Krankheiten sein, bei denen der Markt versagt, weil die Patienten zu arm sind", erklärt Sascha van Beek. "Investitionen in die Erforschung vernachlässigter Krankheiten retten Leben und erhöhen die Resilienz globaler Gesundheitssystem. Gleichzeitig sichern sie dabei den Innovations- und Forschungsstandort Deutschland. Mit Institutionen wie dem BNITM, der Charité, dem IMMIP in Bonn und dem DZIF ist Deutschland bei der Erforschung vernachlässigter Tropenkrankheiten wissenschaftlich exzellent aufgestellt", so der Sprecher des Parlamentarischen Beirats gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten.
Deutschland unterstützt als einer der größten Geber seit 2011 die Arbeit von DNDi. Damit tragen wir maßgeblich dazu bei, dass das "fatale Ungleichgewicht", wie die Lücke zwischen Forschung und Entwicklung bei den vernachlässigten Krankheiten genannt wird, geschlossen wird. Das Forschungsministerium unterstützt die Initiative im aktuellen Förderungszeitraum von 2023 bis 2028 mit 20 Millionen Euro. Auch das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) unterstützt im selben Zeitraum mit 20 Millionen Euro. Über die KfW investiert das BMZ in ein umfangreiches Programm, das den Zugang zu Behandlungen und Diagnostika für armutsbedingte und vernachlässigte Krankheiten erleichtert. Deutschland habe sich in den letzten Jahren zu einem der einflussreichsten Gestalter im Bereich Globaler Gesundheit entwickelt. Dies zeige sich auch im großen Engagement für Forschung und Entwicklung bei vernachlässigten Krankheiten, betont der Bundestagsabgeordnete.
Die Schlafkrankheit (afrikanische Trypanosomiasis) wird durch den Stich einer infizierten Tsetsefliege übertragen und verläuft unbehandelt fast immer tödlich. Im Frühstadium der Erkrankung leiden die Betroffenen unter Kopfschmerzen oder Fieber. Im Spätstadium durchdringt der Parasit die Blut-Hirn-Schranke und befällt das zentrale Nervensystem, was zu Verhaltens-, kognitiven und neurologischen Symptomen wie Krampfanfällen, Schlafstörungen, Aggressivität, Verwirrtheit, Lethargie, Krämpfen und schließlich zum Tod führt. Die Krankheit hat einst ganze Landstriche in Afrika entvölkert.
1998 wurden noch rund 40.000 Fälle der Schlafkrankheit gemeldet, schätzungsweise 300.000 Fällen blieben undiagnostiziert. Im Jahr 2024 wurden weniger als 600 Fälle gemeldet. Das ist ein großer Erfolg und den neuen Medikamenten, verstärkter Forschung und der Einbeziehung von Patientinnen und Patienten in klinischen Studien sowie Gesundheitssystemen vor Ort zu verdanken.
Mit dem neuen Medikament, so die begründete Hoffnung, kann es nun gelingen, diese Krankheit endgültig auszurotten, da es bald in Ländern mit hoher Prävalenz wie der Demokratischen Republik Kongo zugelassen wird.
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