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Sommertour zu Tropenkrankheiten

Deutschland muss seine Gesundheitskompetenzen besser vernetzen

Sascha van Beek zieht Bilanz seiner Sommertour zu vernachlässigten Tropenkrankheiten. Deutschland muss Forschung, Pharmaindustrie und globale Gesundheit strategischer zusammendenken. Van Beek fordert mehr Unterstützung für neue Wirkstoffe, ein nationales Impfstoffzentrum und starke Biotech-Cluster.

Berlin, 16. August 2026 - Fünf Tage, fünf Bundesländer, acht Stationen: Nach Gesprächen mit Hilfsorganisationen, Pharmaunternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten zieht der Bundestagsabgeordnete Sascha van Beek, Sprecher des Parlamentarischen Beirats des Deutschen Netzwerks gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDs), Bilanz seiner Sommertour.

"Ich bin mit dem Schwerpunkt vernachlässigte Tropenkrankheiten gestartet. Mein wichtigstes Fazit ist: Wir müssen viel größer denken. NTDs, Antibiotikaresistenzen, Pandemievorsorge, Impfstoffe, Grundlagenforschung und One Health hängen unmittelbar zusammen. Es geht um globale Gesundheit, aber genauso um unseren Forschungsstandort, unsere Gesundheitsindustrie und unsere nationale Sicherheit."

Stationen waren Action medeor, Malteser International, Bayer, Boehringer Ingelheim, die Philipps-Universität Marburg und GSK, das Leibniz-HKI in Jena sowie das Universitätsklinikum Bonn.

Vom Labor zum Medikament
Eine zentrale Erkenntnis der Tour ist für van Beek das Marktversagen bei der Entwicklung dringend benötigter Medikamente. Bei NTDs fehlt häufig ein wirtschaftlich attraktiver Absatzmarkt. Bei neuen Antibiotika besteht gleichzeitig das medizinische Interesse, sie möglichst zurückhaltend einzusetzen.

"Kein Markt darf nicht bedeuten: kein Medikament. Wenn ein Wirkstoff medizinisch dringend gebraucht wird, aber wirtschaftlich nicht attraktiv genug ist, brauchen wir andere Wege. Produktentwicklungspartnerschaften, Inkubatoren und gezielte Anreize können genau diese Lücke schließen."

Deutschland müsse vor allem die Übersetzung exzellenter Grundlagenforschung in konkrete Produkte verbessern.

"Wir haben hervorragende Wissenschaft und eine starke Pharma- und Biotechindustrie. Aber ein Wirkstoff im Labor schützt noch keinen Menschen. Wir müssen vielversprechende Substanzen schneller durch die klinische Entwicklung bis zur Anwendung bringen. Davon profitieren Patienten weltweit und gleichzeitig Forschung, Produktion und Wertschöpfung in Deutschland."

Marburg: Impfstoffkompetenz als strategische Infrastruktur
Besonders beeindruckt zeigte sich van Beek vom Standort Marburg, an dem universitäre Forschung, Impfstoffentwicklung und industrielle Produktion aufeinandertreffen.

"Marburg hat mich überrascht. Dort ist eine enorme Kompetenz vorhanden, die wir strategisch nutzen sollten. Deutschland braucht dauerhaft verfügbare Fähigkeiten, Impfstoffe zu erforschen, zu entwickeln und zu produzieren. Deshalb sollten wir prüfen, Marburg zum Kern eines nationalen Impfstoffzentrums weiterzuentwickeln."

Das sei nicht nur eine Lehre aus der Corona-Pandemie.

"Gesundheit und Verteidigung gehören stärker zusammen. Eigene Fähigkeiten bei Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten sind Teil unserer strategischen Resilienz. Gesundheitssicherheit ist nationale Sicherheit."

Jena: Potenzial für ein Biotech-Exzellenzcluster
Auch Jena sieht van Beek als strategisch wichtigen Standort. Das Leibniz-HKI, die Friedrich-Schiller-Universität, das Universitätsklinikum und das Forschungsumfeld böten hervorragende Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Antiinfektiva.

"In Jena ist eine beeindruckende Forschungslandschaft entstanden. Diese Kompetenzen sollten wir zu einem Biotech-Exzellenzcluster mit internationaler Strahlkraft weiterentwickeln. Gerade bei neuen Antibiotika und Antiinfektiva brauchen wir solche starken Standorte."

Tropenkrankheiten rücken näher
Die Tour habe zudem gezeigt, wie unmittelbar globale Gesundheit Deutschland betrifft. Das West-Nil-Virus wird inzwischen auch innerhalb Deutschlands übertragen. Gleichzeitig breitet sich die Asiatische Tigermücke aus, die unter geeigneten Bedingungen unter anderem Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren übertragen kann.

"Der Begriff Tropenkrankheit darf uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Was früher weit entfernt erschien, rückt näher. Erreger, Tiere, Menschen und Umwelt lassen sich nicht getrennt betrachten. One-Health gilt in Afrika und Asien genauso wie in Nordrhein-Westfalen."

Für van Beek folgt daraus ein klares deutsches Eigeninteresse:

"Wenn wir Krankheiten dort erkennen und bekämpfen, wo sie entstehen, schützen wir auch die Menschen in Deutschland. Wenn wir Gesundheitssysteme und Surveillance international stärken, gewinnen wir Zeit und Sicherheit. Globale Gesundheit ist deshalb nicht nur Solidarität. Sie ist Vorsorge im eigenen Interesse."

Forschung, Wirtschaft und Sicherheit zusammendenken
Deutschland müsse sein Engagement in globaler Gesundheit deshalb stärker als strategische Investition verstehen.

"Wir reduzieren Pandemierisiken und bekämpfen Antibiotikaresistenzen. Wir erkennen neue Erreger früher. Gleichzeitig stärken wir unsere Forschung, schaffen Chancen für deutsche Unternehmen und erhalten pharmazeutische und biotechnologische Kompetenz. Jeder Euro muss möglichst mehrere Ziele erreichen: bessere Gesundheit weltweit, mehr Sicherheit und mehr Innovationskraft in Deutschland."

Aus der Sommertour nimmt van Beek deshalb konkrete Arbeitsaufträge mit nach Berlin: Produktentwicklungspartnerschaften stärken, die Translation neuer Wirkstoffe verbessern, Impfstoffkompetenzen sichern und Gesundheits-, Forschungs-, Wirtschafts-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik enger verzahnen.

"Wir haben in Deutschland unglaublich viel Kompetenz. Aber sie ist noch zu oft auf einzelne Institutionen und politische Ressorts verteilt. Wir müssen die Punkte verbinden. Wenn aus deutscher Grundlagenforschung ein Medikament entsteht, daraus Produktion und Arbeitsplätze entstehen und wir damit gleichzeitig Menschen weltweit schützen, dann haben wir globale Gesundheit richtig verstanden."

Van Beeks Fazit nach der Tour:

"Vernachlässigte Tropenkrankheiten sind kein Randthema. Sie führen uns direkt zu den großen Fragen unserer Zeit: Pandemievorsorge, Antibiotikaresistenzen, Biotechnologie, industrielle Souveränität und nationale Resilienz. Globale Gesundheit, Wirtschaft und Sicherheit gehören zusammen."

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