Besuch der Fazenda da Esperanca in Mörmter

Aktualisiert: 30. Jan.

Liebe und Geborgenheit einer Familie als Ausweg aus der Sucht

 

„Gott ist dort, wo man liebt.“ Wo könnte mehr Liebe sein als in einer Familie. Ich durfte eine besondere Familie auf der Fazenda da Esperanca besuchen. Die weltweite Fazenda-Bewegung wurde durch Hans Stapel einem deutschen Franziskanerpater in Brasilen gegründet. Mittlerweile gibt es über 170 Fazendas weltweit, eine davon in Xanten-Mörmter. Im Austausch mit Christiane Underberg - der Initiatorin der hiesigen Fazenda - und dem aktuellen Fazenda-Leiter Moritz Bucher habe ich mehr über die Idee und das Zusammenleben in der Gemeinschaft der Fazenda erfahren.


In dem ehemaligen Kloster in Mörmter leben Männer, die einen Ausweg aus ihrer Sucht suchen. Das Besondere ist, dass es keine Einrichtung ist in der hauptamtliche Fachleute arbeiten, sondern viele Ehrenamtliche. Davon haben einige die Fazenda über ihre eigene Sucht kennengelernt und helfen jetzt den „Rekuperanten“ (vom lat. „sich wieder gewinnen / finden“) sich selbst und funktionierendes gemeinschaftliches Leben wieder zu entdecken. Für die Helfer ist es Berufung. Sie helfen dort aus Dankbarkeit und wollen etwas zurückgeben. Etwas das ihnen selbst geholfen hat. Mich hat das schwer beeindruckt.


Eins muss ich zugeben, dass der einfache Ansatz mit Liebe und Geborgenheit Menschen von der Sucht wegzuführen so gut funktioniert hat mich überrascht. Bei meiner Tätigkeit auf der Intensivstation und beim Roten Kreuz habe ich vor allem die direkten Folgen des aktiven Suchtmittelkonsums oder des akuten Entzuges von einer Droge kennengelernt. Dadurch hatte ich ein Bild in meinem Kopf, geprägt von Aggressivität, Rückschlägen und Vertrauensbrüchen. Natürlich schafft es auch nicht jeder beim ersten Mal in der Fazenda. Aber Aggressivität kommt nicht vor, wie mir Moritz Bucher erzählte. Der Ansatz und die Idee der Fazenda sind einfach und authentisch.


Moritz Bucher lebt mit seiner Frau und dem gemeinsamen 3-jährigen Sohn auf der Fazenda. Er ist einer dieser vielen Menschen, die in dem weltweiten Netzwerk der Fazendas aus Berufung und geleitet von ihrer Spiritualität helfen. An dem Tag meines Besuches wurde der Sohn drei Jahre alt. Mit wieviel Herzblut auf der Fazenda die Geburtstagsfeier vorbereitet wurde hat mich überzeugt, dass die Idee von Familie wirklich gelebt wird und mir nicht nur im Austausch von den Gastgebern gut verkauft wurde. Die einfache Idee des Gründers wird gelebt.


Mir hat der Besuch in der Fazenda gezeigt, dass therapeutisch-spirituelle Selbsthilfeeinrichtungen ein funktionierender Weg aus einer Sucht sein können. Der Erfolg der Einrichtung unterstützt diesen Umstand zusätzlich. Der niedrigschwellige Zugang, ohne eine vorherige Kostenzusage ist ein weiterer Vorteil. Meiner Meinung nach ist es wichtig Fazendas in Deutschland zu unterstützen. Bisher geschieht dies durch viele Gönner und Unterstützer. Ich bin motiviert mich in Zukunft im Landtag für solche karikativen Leuchtturmprojekte einzusetzen. Bis dahin werde ich auf jeden Fall dabei helfen, dass bestehende Netzwerk der Fazenda in Mörmter mit meinem Netzwerk zu vergrößern. Denn für mich war schon immer der Antrieb Ehrenamt und Politik: Menschen mit guten Ideen und Absichten unterstützen, miteinander in Verbindung bringen und für ihre Sache stärken.